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Der ServiceNow Platform Owner: Strategischer Kapitän oder nur „Backlog-Hausmeister“?

In vielen Unternehmen startet die ServiceNow-Reise wie eine glanzvolle Jungfernfahrt: Champagner, große Visionen und die Hoffnung auf das papierlose Büro. Doch nach ein paar Seemeilen übernimmt die Realität das Steuer – und der Platform Owner findet sich plötzlich nicht auf der Brücke wieder, sondern im Maschinenraum beim Kohleschaufeln. In meiner Arbeit als ServiceNow Evangelist sehe ich immer wieder dasselbe Drama: Ein kluger Kopf mit technischem Verstand bekommt den Titel verpasst – und mutiert innerhalb von drei Monaten zum glorifizierten Backlog-Hausmeister.
März 31, 2026

Das Symptom: Die Instanz als „Gruselkabinett der Sonderwünsche“

Ohne echtes Mandat wird der Platform Owner zum „Ja-Sager“ der Nation. Jeder Abteilungsleiter, der eine Excel-Tabelle unfallfrei bedienen kann, lädt seine „brandbeunruhigenden“ Anforderungen ab. Der Platform Owner protokolliert sie pflichtbewusst, und die Instanz verwandelt sich schleichend in ein digitales Gruselkabinett:

  • Halbfertige Customizations, die nur bei Vollmond funktionieren.
  • Skripte, deren Autoren vermutlich schon in Rente sind oder das Land verlassen haben.
  • Prozesse, die so verbogen sind, dass selbst die Entwickler in Santa Clara weinen würden.

Die Quittung kommt mit dem nächsten Familien-Release: Wenn die mühsam zusammengeklöppelten Sonderlösungen beim Upgrade implodieren, wird der „schnelle Workaround“ von heute zum finanziellen Totalschaden von morgen.

Die Ursache: Ein Titel, so wertvoll wie ein Schokogroschen

Das Problem ist selten mangelndes Talent. Es ist das fehlende Mandat. Ein Platform Owner, der nicht „Nein“ sagen darf, ist kein Gestalter – er ist ein extrem teurer Kellner, der Bestellungen aufnimmt.

ServiceNow ist zu komplex, um von demjenigen geformt zu werden, der die hartnäckigsten E-Mails schreibt oder am lautesten im Flur schreit. Wer die Plattform führen will, braucht „organisatorische Muskeln“ – und nicht nur ein dickes Fell.

Die Lösung: Vom Getriebenen zum Dompteur

Ein starker Platform Owner, wie ich ihn in meinen Coachings vorbereite, hat drei Superkräfte:

  1. Politisches Rückgrat: Er kann einem Bereichsleiter Kontra geben, ohne dass dieser sofort eine Palastrevolte anzettelt.
  2. Die Gabe der Übersetzung: Er hört eine vage Business-Beschwerde und verwandelt sie in sauberen Plattform-Standard, anstatt die Architektur mit Custom-Code zu massakrieren.
  3. Die 2-Jahres-Brille: Er überlegt nicht, wie er den Stakeholder für diese Woche ruhigstellt, sondern wie die Instanz in zwei Jahren noch atmen kann.

Fazit: Strategie oder Wunschkonzert?

Die Aufgabe des Platform Owners ist es, die digitale Transformation des gesamten Unternehmens voranzutreiben – und nicht nur die Wunschliste der IT abzuarbeiten.

Wenn Ihr Platform Owner nur dazu da ist, alle glücklich zu machen, wird er scheitern. Er braucht die Macht, echte Entscheidungen zu treffen.

Die Preisfrage:Darf Ihr Platform Owner das Schiff steuern, oder ist er nur damit beschäftigt, die Löcher zu stopfen, die andere in den Rumpf bohren?